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Rundbrief 2/2026
Detmold, den 12. 3. 2026
Liebe Mitglieder, Freund*innen der GfCJZ,
im Frühjahr dieses Jahres stehen wieder ein paar interessante Veranstaltungen an:
Donnerstag, 19. März 2026 um 19:30 Uhr
Bücher und Scherben
Drei jüdische Autorinnen aus OstwestfalenKommentierte Lesung mit Frank Meier-Barthel
Frank Meier-Barthel (evangelische Erwachsenenbildung und Geschäftsführer der GfCJZ Herford)
Die in Minden geborene und in Bielefeld aufgewachsene Josefa Metz (1871–1937), die Detmolderin Ruth Michaelis-Jena (1905–1989) und die Paderbornerin Jenny Aloni (1917–1993) – drei unterschiedliche Lebenswege, drei unterschiedliche Lebenswerke, drei Gemeinsamkeiten:
Sie stammten aus unserer Region, sie stammten aus jüdischen Familien, sie mussten sich mit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten auseinandersetzen.
An diesem Abend wird von ihren Leben erzählt und aus ihren leider viel zu unbekannten Werken vorgelesen.
Weitere Hinweise im Flyer.
In Kooperation mit Ev. Erwachsenenbildung, Lippischen Landesbibliothek/ Theologischen Bibliothek Detmold, jüdische Gemeinde Herford-Detmold und GfCJZ Lippe.
Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten unter 05231 926660-12 oder per Email auskunft@llb-detmold.de
Die Lesung findet statt im alten Foyer der Lippischen Landesbibliothek Hornsche Straße 41 in Detmold.
Samstag, 21. März 2026 um 14:00 Uhr
Zwischen Schweigen und Verantwortung
Eine Familiengeschichte im Schatten des Nationalsozialismus
Jacqueline Gies
Jacqueline Gies erzählt keine gewöhnliche Familiengeschichte, sondern ein persönliches Zeugnis über Erinnerung, Verantwortung und den Umgang mit einer belasteten Vergangenheit. Vorbelastet durch ihren Familiennamen sucht sie nach Wahrheit und fragt, wie man mit einer Erbschaft aus Schuld lebt.
Ihr Großvater, Robert Gies, war Ministeramtschef von Karl Hermann Frank in Prag. In dieser Zeit wurden Tausende Menschen verfolgt, deportiert und ermordet.
Ihr Vortrag ist ein Appell, sich der eigenen Geschichte mit all ihren Facetten zu stellen und dem Mut, das Schweigen zwischen den Generationen zu brechen.Jacqueline Gies (*1967, Trier) studierte Kunstgeschichte und Germanistik und ist heute Lehrerin an einer Berliner Oberschule. Als Enkelin des SS-Standartenführers Robert Gies, Ministeramtschef von Karl Hermann Frank in Prag, setzt sie sich intensiv mit ihrer familiären NS-Vergangenheit auseinander. Seit 2017 berichtet sie öffentlich über ihre Geschichte, unter anderem in der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, im Anne Frank Haus und im Centro Ana Frank in Buenos Aires.
Sie engagiert sich für eine lebendige Erinnerungskultur und betont die Verantwortung der Nachgeborenen.anno 1578
Mittelstraße 70 in Lemgo
Mittwoch, 27. Mai 2026 um 14 Uhr
Verlegung von Stolpersteinen zum Gedenken an die Familie Rülf, Elli und Max Alexander und Hedwig Block
Eine Familiengeschichte im Schatten des Nationalsozialismus
Unsere Stolperstein-AG lädt Sie herzlich zur Stolpersteinverlegung zum Gedenken an die Familie Rülf, Hedwig Block und Elli und Max Alexander am 27. Mai 2026 ein. Die Verlegung beginnt um 14 Uhr in der Elisabethstraße 24. Weitere Orte der Verlegung sind die Freiligrathstraße 13 und die Lemgoerstr. 49.
Da derzeit noch nicht alle Stolpersteine finanziert sind, freuen wir uns über Spenden diesbezüglich!
Mittwoch, 10. Juni 2026 um 19 Uhr
„Müssen Juden missioniert werden? Evangelische Kirche und Judenmission“
Vortrag von Jan Christian Pinsch
„Israel bleibt Gottes erwähltes Volk, obwohl es den Glauben an Jesus als seinen Messias nicht angenommen hat“: So hat es die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Jahr 2000 festgehalten und einer institutionell organisierten Judenmission eine klare Absage erteilt. Doch bis dahin war es ein langer Prozess. Jan Christian Pinsch zeigt in seinem Vortrag, dass im Hintergrund der Judenmission eine antijüdische Grundhaltung steht, die seit der Reformationszeit bis weit in das 20. Jahrhundert die evangelische Kirche prägte. Nur langsam erhoben sich nach 1945 Stimmen für eine Neujustierung des christlich-jüdischen Verhältnisses. Zugleich gibt es bis heute vor allem evangelikale Kreise innerhalb und außerhalb der Landeskirchen, deren Wahrheitsanspruch und Missionsverständnis der Distanzierung von der Judenmission diametral entgegenstehen.
Jan Christian Pinsch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für neuere Kirchengeschichte am Institut für Evangelische Theologie der Universität Paderborn. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören u.a. Antisemitismus und Verschwörungsmythen, ev. Kirche und Rechtspopulismus.
Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38, Detmold
Gerne weisen wir auch auf eine Veranstaltung in der kommenden Woche und eine hörenswerte Konzertreihe hin:
Mittwoch, 18. März 2026 um 11 Uhr
Tag der Demokratiegeschichte 2026
Detmold ist weit mehr als die grünste Stadt der Republik, sie ist mehr als nur Sitz vieler Behörden oder die Mitte des Landes Lippe mit einem Schloss.
Der Bundespräsident, der in Detmold geboren wurde, hat nun zu Initiativen zum „Tag der deutschen Demokratiegeschichte“ am 18. März 2026 aufgerufen, und die Grabbe-Gesellschaft hat sich mit einem besonderen Projekt beworben. Zwei literarische Spaziergänge (mit Dr. Peter Schütze und Hans Hermann Jansen) führen in ca. 90 Minuten zu den wichtigsten Orten der Stadt innerhalb der Detmolder Demokratiegeschichte. Alle sind eingeladen mitzukommen. Treffpunkt ist um 11:00 Uhr und um 15:00 Uhr die Rathaus-Treppe am Marktplatz.
Eine zusätzliche Plakataktion an der Ameide trägt das bekannte Zitat des Detmolder Journalisten und Schriftstellers aus der 1848-Revolutionszeit Ferdinand Freiligrath: »Wir sind das Volk!«. Es wurde von Helena Haverkamp gestaltet, die zusammen mit dem KMH-Kreativkollektiv an der Umsetzung verschiedener Formate für das Projekt beteiligt ist.
Die Grabbe-Gesellschaft ist gern ein lebendiger Partner in der Bereitstellung von nützlichen Informationen und Hintergründen zur Deutschen Demokratiegeschichte und möchte die Initiative zum 18. März mit dem Projekt »Starke Worte. Starke Orte: Demokratie durch Kultur« im Rahmen des Bundesprogramms ‚Aller.Land‘ vernetzen. Dort werden bundesweit exemplarisch bis 2030 beteiligungsorientierte Kulturformate entwickelt, die zu mehr Miteinander und einem neuen Miteinander in der Gesellschaft führen.
Samstag, 09. Mai 2026 - Sonntag, 14. Juni 2026
Konzert „Eisnacht“ mit Liedern jüdischer Komponist*innen
Pia Viola Buchert, Mezzosopran - Tatjana Travenau, Klavier
Die sechs Komponist*innen, deren Lieder in diesem Programm erklingen, wurden zwischen 1890 und 1924 geboren. In ihren zwischen 1917 und 1997 entstandenen Kompositionen bildet sich die stilistische Vielfalt des 20. Jahrhunderts ab, die vom expressiven, spätromantischen Stil Hans Gáls über die sphärische Polyphonie von Felix Wolfes bis zu den hoch individualisierten Liedern Ruth Schonthals reicht. Gemeinsam ist den sechs Künstler*innen, dass die Verfolgung jüdischer Menschen während der nationalsozialistischen Diktatur zu radikalen Einschnitten und Brüchen in ihrer aller Leben führte.
Der jeweilige Lebensweg, der Ort des Exils und das gesellschaftliche Umfeld, in dem die kompositorische Laufbahn fortgeführt wurde, haben die Weiterentwicklung ihrer Kompositionsstile beeinflusst und geprägt. Zugleich weisen die bis zu 500 Jahre alten Texte der Lieder Ausgrenzung, Verfolgung, Vertreibung und Exil als Konstante der Menschheitsgeschichte aus. Mit diesem Programm und der CD „Eisnacht“ (Genuin, 02/2026) möchten wir zur Rezeption dieser Lieder beitragen und würdigen, dass diese Menschen die Kraft und Kreativität besessen haben, das Erlebte seelisch und künstlerisch zu bewältigen. Dadurch haben sie eigenständige Kunstwerke geschaffen, die in ihrer künstlerischen Bedeutung weit über die Verarbeitung biographischer Ereignisse hinausweisen.
Text: Tatjana Dravenau
Termine:
09.05.2026 18.00 Uhr: Lemgo, Gemeindehaus St. Marien
10.05.2026: 17.00 Uhr: Zionskirche Bethel
14.06.2026: 16.00 Uhr: Synagoge Herford
Freundliche Grüße
Philipp Wagner und Kristina Panchyrz
(Geschäftsführung) -
Circular 2/2026 Translated by DeepL
Detmold, 12 March 2026
Dear members and friends of the GfCJZ,
There are a few interesting events coming up again this spring:
Thursday, March 19, 2026, 19:30
Books and Shards
Three Jewish authors from East WestphaliaCommented reading with Frank Meier-Barthel
Frank Meier-Barthel (Protestant adult education and managing director of GfCJZ Herford)
Josefa Metz (1871–1937), who was born in Minden and grew up in Bielefeld, Ruth Michaelis-Jena (1905–1989) from Detmold, and Jenny Aloni (1917–1993) from Paderborn – three different life paths, three different life's works, three things in common:
They came from our region, they came from Jewish families, they had to deal with persecution by the National Socialists.
This evening, their lives will be recounted and readings from their works, which are unfortunately far too little known, will be given.
Further information can be found in the flyer .
In cooperation with Ev. Erwachsenenbildung, Lippische Landesbibliothek, Theologische Bibliothek Detmold, Jewish Community Herford-Detmold and GfCJZ Lippe.
Admission is free, but registration is requested at 05231 926660-12 or by email at auskunft@llb-detmold.de
The reading will take place in the old foyer of the Lippische Landesbibliothek, Hornsche Straße 41 in Detmold.
Saturday, March 21, 2026, 14:00
Between silence and responsibility
A family history in the shadow of National Socialism
Jacqueline Gies
Jacqueline Gies does not tell an ordinary family story, but rather a personal testimony about memory, responsibility and dealing with a burdened past. Burdened by her family name, she searches for the truth and asks how one can live with an inheritance of guilt.
Her grandfather, Robert Gies, was Karl Hermann Frank's chief of staff in Prague. During this time, thousands of people were persecuted, deported and murdered.
Her lecture is an appeal to face one's own history in all its facets and to have the courage to break the silence between generations.Jacqueline Gies (born 1967 in Trier) studied art history and German language and literature and now teaches at a secondary school in Berlin. As the granddaughter of SS-Standartenführer Robert Gies, Karl Hermann Frank's ministerial chief in Prague, she has engaged intensively with her family's Nazi past. Since 2017, she has been speaking publicly about her history, including at the House of the Wannsee Conference memorial, the Anne Frank House and the Centro Ana Frank in Buenos Aires.
She is committed to promoting a vibrant culture of remembrance and emphasises the responsibility of future generations.anno 1578
Mittelstraße 70 in Lemgo
Wednesday, May 27, 2026, 14
Laying of stumbling stones in memory of the Rülf family, Elli and Max Alexander and Hedwig Block
A family history in the shadow of National Socialism
Our Stolperstein Working Group cordially invites you to the laying of Stolpersteine in memory of the Rülf family, Hedwig Block and Elli and Max Alexander , on 27 May 2026. The laying ceremony will begin at 2 p.m. at Elisabethstraße 24. Other locations for the laying ceremony are Freiligrathstraße 13 and Lemgoerstr. 49.
As not all of the Stolpersteine have been financed yet, we welcome donations for this purpose!
Wednesday, June 10, 2026, 19
"Should Jews be proselytised? The Protestant Church and Jewish Mission"
Lecture by Jan Christian Pinsch
"Israel remains God's chosen people, even though it has not accepted faith in Jesus as its Messiah": this was the position taken by the Evangelical Church in Germany (EKD) in 2000, clearly rejecting an institutionally organised mission to convert Jews. But it had been a long process to reach this point. In his lecture, Jan Christian Pinsch shows that behind the mission to the Jews lies an anti-Jewish attitude that shaped the Protestant Church from the Reformation period until well into the 20th century. Only slowly, after 1945, did voices rise in favour of a readjustment of Christian-Jewish relations. At the same time, there are still evangelical circles within and outside the regional churches whose claim to truth and understanding of mission are diametrically opposed to distancing themselves from the mission to the Jews.
Jan Christian Pinsch is a research assistant for modern church history at the Institute for Protestant Theology at the University of Paderborn. His research focuses on anti-Semitism and conspiracy myths, the Protestant Church and right-wing populism, among other topics.
Haus Münsterberg, Hornsche Straße 38, Detmold
We are also pleased to announce an event next week and a concert series that is well worth listening to:
Wednesday, March 18, 2026, 11
Democracy History Day 2026
Detmold is much more than just the greenest city in Germany; it is more than just the seat of many authorities or the centre of the Lippe region with a castle.
The Federal President, who was born in Detmold, has now called for initiatives for the "Day of German Democracy History" on 18 March 2026, and the Grabbe Society has applied with a special project. Two literary walks (with Dr Peter Schütze and Hans Hermann Jansen) will take you to the most important places in the city's democratic history in around 90 minutes. Everyone is invited to join in. The meeting point is at 11:00 a.m. and 3:00 p.m. on the town hall steps at the market square.
An additional poster campaign on the Ameide features the famous quote by Ferdinand Freiligrath, a journalist and writer from Detmold during the 1848 revolution: "We are the people!". It was designed by Helena Haverkamp, who is involved in the implementation of various formats for the project together with the KMH creative collective.
The Grabbe Society is a keen partner in providing useful information and background on German democratic history and would like to network the initiative for 18 March with the project "Strong Words. Strong Places: Democracy through Culture" as part of the federal programme "Aller.Land". There, participatory cultural formats will be developed nationwide by 2030 that will lead to more cooperation and a new sense of community in society.
Saturday, May 09, 2026 - Sunday, June 14, 2026
Concert "Eisnacht" (Ice Night) with songs by Jewish composers
Pia Viola Buchert, mezzo-soprano – Tatjana Travenau, piano
The six composers whose songs feature in this programme were born between 1890 and 1924. Their compositions, written between 1917 and 1997, reflect the stylistic diversity of the 20th century, ranging from Hans Gál's expressive, late Romantic style to Felix Wolfe's atmospheric polyphony and Ruth Schonthal's highly individualised songs. What the six artists have in common is that the persecution of Jewish people during the Nazi dictatorship led to radical changes and breaks in all their lives.
Their respective life paths, places of exile and the social environments in which they continued their compositional careers influenced and shaped the further development of their compositional styles. At the same time, the lyrics of the songs, some of which are up to 500 years old, reveal exclusion, persecution, expulsion and exile as constants in human history. With this programme and the CD "Eisnacht" (Genuin, 02/2026), we would like to contribute to the reception of these songs and pay tribute to the fact that these people had the strength and creativity to cope with their experiences emotionally and artistically. In doing so, they created independent works of art whose artistic significance far exceeds the processing of biographical events.
Text: Tatjana Dravenau
Dates :
9 May 2026, 6 p.m.: Lemgo, St. Marien parish hall
10 May 2026, 5 p.m.: Zionskirche Bethel
14 June 2026, 4 p.m.: Herford Synagogue
Kind regards,
Philipp Wagner and Kristina Panchyrz
(Management)
Rundbrief 2/2026
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